Gesangverein 1872 Kallenhardt
 



Die Satzung von 1872

Die "Stammrolle"

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"Übersetzung" von Paul-Heinz Aust

Statuten für den Männer-Gesang-Verein
zu Callenhardt

§ I

Der Verein bezweckt vorzugsweise zur Belebung der kirchlichen Feier wesentlich beizutragen und stellt sich in dieser Beziehung ganz dem Pfarrer bzw. Pfarrverweser zur Verfügung. Ferner sollen durch Soldaten- und Vaterlandslieder der zeitgenössische Sinn erhalten und durch moralische Gessellschaftslieder die Sittlichkeit befördert werden.

§ II

Unsittliche Lieder, zweideutige Redensarten und Zoten werden nicht geduldet. Mitglieder, welche sich in dieser Beziehung vergehen, werden einmal gewarnt, im Wiederholungsfalle sind sie sofort auszuschließen.

§ III

Zu dem Männer-Gesang-Verein können selbstverständlich nur unbescholtene Männer und Jünglinge (letztere nicht unter 18 Jahren) aufgenommen werden, wenn sie außerdem das erforderliche Stimmorgan besitzen.

§ IV

Solange der Verein zu seinen Gesang-Übungen jedoch noch kein eigenes Lokal besitzt, können selbstverständlich nicht alle sich etwa meldenden Männer und Jünglinge Zutritt finden, weshalb bis dahin derartige Anträge in der General-Versammlung festgesetzt werden.

§ V

Der Verein veranstaltet jährlich eine kleine gesellige Feier an welcher jedoch nur von Mitgliedern eingeführte Personen teilnehmen können. Das Festprogramm wird in der General-Versammlung entworfen.

§ VI

Die Mitglieder des Vereins zahlen zur Vereinskasse einen monatlichen Beitrag von 1 Sgr. (durch die Radaktion ergänzt; Sgr. = Silbergroschen zu 12 Pfennigen - Währung in Preußen vor Einführung der Mark). Eine Erhöhung oder Erniedrigung dieses Satzes kann nur durch Majoritätsbeschluss von der General-Versammlung festgesetzt werden.

§ VII

Alle Angelegenheiten des Vereins werden durch einen Vorstand geleitet, derselbe besteht aus 3 Mitgliedern und zwar dem Präses (Dirigenten), dem Schriftführer und dem Beigeordneten. Außerdem wird ein stellvertretender Dirigent gewählt, welcher in Abwesenheit des Präses dessen Funktionen übernimmt.

§ VIII

Der Präses (Dirigent) beruft Vorstands- und General-Versammlungen, leitet die Festlichkeiten und Gesang-Übungen, überwacht die Ordnung und vertritt den Verein überhaupt sowohl nach Außen und nach Innen

§ IX

Der Schriftführer führt die Stammrolle, erhebt die Beiträge und leistet auf Anweisung des Präses Zahlungen.

§ X

Den Anordnungen des Präses innerhalb seiner Funktionen ist (bei Strafe der Ausschließung) Gehorsam zu leisten. Mitglieder, welche sowohl durch Ungehorsam, als auch durch ungebührliches Betragen, Streitsucht und dergleichen die Eintracht stören, verlieren durch die Ausschließung auch alle Ansprüche an dem Vermögen des Vereins.

§ XI

Der Dirigent kann nur in zwingenden Fällen von den Gesang-Übungen dispensieren. Jedes Mitglied welches ohne Urlaub ausbleibt, zahlt für jeden einzelnen Fall 3 Sgr. (red. Silbergroschen) Strafe. Wer jedoch über 1 Monat sich von den Übungen fernhält schließt sich dadurch von selbst aus und soll dessen Aufnahme nicht wieder stattfinden.

§ XII

Die Ämter des Präses und Schriftführers werden als Ehrenämter betrachtet und erhalten solche deshalb keine Gratifikation. Portos und andere notwendigen Vereinsausgaben werden Ihnen jedoch zurück erstattet nachdem sie solche liquidiert haben.

§ XIII

Die Amtsdauer des Vorstands währt ein Jahr. Eine Neuwahl der einzelnen Vorstandsmitglieder ist jedoch zulässig.

§ XIV

Die General-Versammlung beschließt über die Aufnahme neuer Mitglieder, entwirft das Programm zu dem jährlich stattfindenen Feste, bestimmt die Höhe der monatlichen Beiträge und wählt den Vorstand auf 1 Jahr und beschließt über Abänderungen der Statuten resp. allenfallsige Aufhebung des Vereins. Beschlüsse werden gefasst nach Stimmenmehrheit. Die Abstimmung geschieht bei Namens-Aufruf. Beschlußfähig ist der Verein wenn 2/3 der Mitglieder anwesend sind.

§ XV

Abänderungen und Ergänzungen der Statuten durch Beschluß der Majorität der General-Versammlung binden auch die zufällig nicht anwesenden Mitglieder.

§ XVI

Stirbt ein Vereinsmitglied, so ist jedes Mitglied bei 5 Sgr. (red. Silbergroschen) Strafe verpflichtet der Trauerfeier beizuwohnen.

Die Konstitution des Gesang-Vereins in Callenhardt, mit Grundlage obigen Vertrages und mit Bezugnahme auf die in diesem Hefte befindliche Verhandlung dort. Callenhardt, den 13. October 1872 wird hiermit polizeilich genehmigt.

Rüthen den 5. Januar 1873

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Verhandelt Callenhardt den 13. October 1872

In der heute anberaumten General-Versammlung wählen die Vereinsmitglieder ihren Vorstand

1. zum Präses (Dirigenten) den Johannes Schmidt
2. zum Schriftführer den Clemens Frohne
3. zum Beigeordneten den Friedrich Aust
4. zum Stellvertretenden Präses den Friedrich Ernst
durch absolute Stimmen-Mehrheit.
Die Gewählten nahmen die Wahl an und unterschrieben daselbst wie folgt
- Johann Schmidt
- Clemens Frohne
- Friedrich Aust
- Friedrich Ernst
Ferner wurde beschlossen, daß
1. der Präses zu den monatlichen Beiträgen nicht herangezogen werden soll.
2. die Aufnahme von neuen Mitgliedern nur vierteljährlich stattfinden soll mit der Ausnahme, daß falls ein Mitglied ausscheiden sollte, der Verein sich aus den sich anmeldenden Mitgliedern ergänzen kann und
3. die neu eingetretenen Mitglieder zur Vereinskasse ein Eintrittsgeld von 5 Sgr. (red. Silbergroschen) zu zahlen haben.

v. g. u.

Friedrich Ernst
Clemens Frohne
Friedrich Aust

 

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